Von Köln nach Kuch­hausen – Foto­grafie als Fami­li­en­ge­schichte

Susanne Esch­rich bewahrt das foto­gra­fi­sche Erbe ihrer Mutter – und die Erin­ne­rung an August Sander, den großen Por­trät­fo­to­grafen. Eine neue Aus­stel­lung zeigt berüh­rende Ein­blicke.

August Sander (1876–1964) zählt zu den bedeu­tendsten Foto­grafen des 20. Jahr­hun­derts. Mit seinem epo­chalen Pro­jekt „Men­schen des 20. Jahr­hun­derts“ wollte er die Gesell­schaft seiner Zeit in all ihren Facetten doku­men­tieren – mit einem nüch­ternen, aber tief mensch­li­chen Blick. Sein Werk gilt heute als foto­gra­fi­scher Mei­len­stein. Weniger bekannt ist: Auch in Köln-Sülz und Klet­ten­berg hat Sander Spuren hin­ter­lassen – und eine junge Frau stark geprägt, deren Geschichte nun ihre Tochter erzählt.

Die Rede ist von Inge Jansen, die zwi­schen 1953 und 1955 bei August Sander im kleinen Dorf Kuch­hausen ihre Foto­gra­fen­aus­bil­dung machte – und dort auch lebte. Die inzwi­schen ver­stor­bene Köl­nerin war nicht nur Schü­lerin, son­dern auch Assis­tentin des großen Foto­grafen. Mit der Kamera doku­men­tierte sie nicht nur San­ders Alltag, son­dern auch das Leben im Dorf – vom Garten bis zum berühmten Raben „Köbes“.

Ihre Tochter Susanne Esch­rich hat dieses foto­gra­fi­sche Erbe auf­ge­ar­beitet. Jahr­zehn­te­lang lagerte es in Kisten: Nega­tive, Abzüge, hand­schrift­liche Notizen. Erst 2015 begann sie, all das zu sichten – ange­stoßen durch eine Aus­stel­lung in Köln. Dabei stieß sie auf erstaun­liche Ver­bin­dungen: Ihr Urgroß­vater Johann Loosen, ein Kölner Stein­metz­meister, war eng mit August Sander befreundet und Teil der Künst­ler­gruppe „Kölner Pro­gres­sive“. Auch poli­tisch standen sich die Fami­lien nahe: Loosen und San­ders Sohn Erich waren Mit­streiter in der Wider­stands­gruppe SAPD und wurden 1935 vom NS-Regime ver­ur­teilt.

Die neue Aus­stel­lung im Kul­tur­salon Frei­raum, keine 200 Meter vom ehe­ma­ligen Wohn­haus des Urgroß­va­ters ent­fernt, knüpft diesen bio­gra­fi­schen Faden auf bewe­gende Weise weiter: Ab dem 10. Januar 2026 werden dort Ori­gi­nal­fo­to­gra­fien von Inge Jansen gezeigt – viele davon zum ersten Mal in Köln. Es ist eine Hom­mage an drei Gene­ra­tionen Kölner Geschichte, erzählt durch die Linse einer Frau, die sich dem Sehen mit großem Respekt näherte.

Foto­aus­stel­lung
Inge Jansen, Schü­lerin und Assis­tentin von August Sander in Kuch­hausen (1953–1955)
Foto­gra­fien von August Sander, seinem Umfeld und seiner Umge­bung

Ver­nis­sage: Samstag, 10.01.2026, 18 Uhr
Dauer der Aus­stel­lung: bis Ende Februar 2026
Ort: Kul­tur­salon Frei­raum, Got­tesweg 116, 50939 Köln
Öff­nungs­zeiten: Dienstag bis Don­nerstag, 16–18 Uhr, sowie nach Ver­ein­ba­rung

10.2025 // Redak­tion: Ralf Mar­tens, Foto von Susanne Esch­rich: Wolf­gang Simm

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