- LEUTE
Von Zauberhand bewegt
Mitten in unserem Viertel liegt das größte Krankenhaus der Region: die Uniklinik Köln. Über 13.000 Menschen arbeiten dort. Das sind so viele, wie in Klettenberg wohnen. Diese versorgen jeden Tag Hunderte von Patientinnen und Patienten, denn die Klinik hat 1.500 Betten, kann also 1.500 Menschen stationär betreuen. Stationär bedeutet, dass sie über Nacht oder sogar mehrere Tage und Nächte im Krankenhaus bleiben. Wir haben uns schlaugemacht, wie diese vielen Patientinnen und Patienten versorgt werden, nämlich zu einem großen Teil wie von Zauberhand.
Hunderte Meter lange Strecken
Früh am Morgen treffe ich mich mit André Fickert und fahre mit ihm in den Keller. Er leitet die Fördertechnik der Uniklinik. Er kümmert sich also um alle Maschinen, die Gegenstände oder Personen von A nach B bringen. In der Universitätsklinik befinden sich lange Gänge zwischen Küche und Krankenhaus und von dort zu den Stellen, wo Abfall gesammelt wird. Und hier kommen AGVs zum Einsatz. Das sind automatisch betriebene Fahrzeuge, und das Universitätskrankenhaus hat fast 100 davon. Sie sehen ein wenig wie Käfer aus, die über den Boden rollen. Und sie rollen tatsächlich auf Rollen: Die äußeren Räder treiben den Wagen an. Dahinter versteckt liegen weitere. Diese messen die Strecken, die das Fahrzeug zurücklegt. AGVs haben Batterien, die regelmäßig aufgeladen werden müssen, und fahren auf festgelegten Wegen, die durch winzige Magnete im Boden bestimmt sind. Übrigens hat André Mechatroniker gelernt und erst vor Kurzem seinen Meister gemacht.
Farben wie beim Sortieren von Müll
Auf die AGVs können Wagen geladen werden, die dann Güter in die Abteilungen des Krankenhauses oder aus diesen heraus transportieren. Die Wagen unterscheiden sich nach dem, was sie transportieren. Sie sind über Farben gekennzeichnet: Schwarz steht für Abfälle, Blau für Pakete und Wasser, Grün-Blau für Sterilgüter sowie OP-Ausstattung, Gelb für das Frühstück, Rot für das warme Mittagessen und Grün für das Abendessen.
Laser halten auf Abstand
Keine Angst: Die automatischen Fahrzeuge stoßen nicht zusammen und fahren auch niemanden um, der auf einem Gang unterwegs ist. Über Laser-, also Lichtstrahlen, messen sie die Entfernung zu einem Menschen oder Hindernis. Sie halten rechtzeitig an, bevor es zu einem Zusammenstoß kommt. Ausweichen können die Fahrzeuge nicht, weil sie auf einer unsichtbaren Schiene fahren. Diese ist über Magneten im Boden sichtbar. André und sein Team können diese vielen automatischen Fahrzeuge auf ihrem Computerbildschirm verfolgen und eingreifen, wenn es zu einem Fehler kommt oder etwas kaputtgeht.
Automatisch in den Fahrstuhl und in die Waschanlagen
Die AGVs können die Wagen auch über mehrere Etagen fahren, denn für sie sind spezielle automatische Fahrstühle vorgesehen. In diese passt immer nur ein AGV mit Wagen. Manchmal müssen die Fahrzeuge, ganz wie wir Menschen, vor dem Fahrstuhl warten, bis dieser für die nächste Fahrt frei ist. Zudem müssen die Wagen nach der Benutzung ausgeräumt und gewaschen oder desinfiziert werden. Auch das erfolgt automatisch.
Pillen aus dem Automaten
Doch nicht nur die Mahlzeiten werden in der Uniklinik automatisch geliefert, sondern auch für viele der Patientinnen und Patienten die Medikamente. In der eigenen Apotheke dürfen wir das nachverfolgen. Das erklärt uns Annelie Goldbeck. Sie hat Pharmazie studiert und ist Apothekerin.
Hunderte Tabletten wollen zum richtigen Patienten
Im Hauptraum stehen viele Regale mit Medikamenten. Dann gibt es einen kleinen Raum, in dem eine Mitarbeiterin den Automaten befüllt. Er hat 330 Plastikdosen. Weitere Medikamente können über eine Schublade mit vielen kleinen Fächern hinzugefügt werden. Über einen Computer läuft die Information an den Automaten: Name, Medikament, wann und wie es zu nehmen ist. Dieser lässt nach und nach aus den verschiedenen Fächern einzelne Tabletten in einen Plastikschlauch fallen. Nach jedem Medikament verschweißt der Automat diesen, sodass viele kleine Medikamententaschen entstehen. Die Fachleute nennen diese Tüten Blister. Der Automat druckt auf jede Tüte wichtige Informationen: Name des Patienten oder der Patientin und des Medikaments, wann und wie es zu nehmen ist. Patient*innen und Mitarbeitende können einen Code mit ihrem Smartphone einscannen und erfahren weitere Informationen zu dem Medikament.
Weniger Fehler
Der Automat verpackt für 350 Menschen täglich die Tabletten. Das ist fast jeder Vierte, der im Universitätskrankenhaus behandelt wird. Dann liefert die Apotheke die Medikamente an die Stationen. Das hat zwei große Vorteile: Die Pflegerinnen und Pfleger müssen nicht mehr per Hand die Tabletten aus den Folien nehmen und aufteilen. Wenn sie bei ihrer Arbeit gestört werden, können Fehler geschehen. Diese verhindert der Automat.
Viel Verpackung? Nein
Wenn ihr so die Schlange mit den Tabletten-Tütchen seht, denkt ihr vielleicht, dass das viel Verpackung sei. Das stimmt jedoch nicht. Die Apotheke im Krankenhaus bestellt bevorzugt große Dosen. So spart sie zum Teil sogar Verpackung.
04.2026 // Redaktion: Hanka Meves-Fricke, Illustrationen: Julia Regett



