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Das hellste Licht ist die Nacht: „Lunis und das Mondwesen“ am Casamax Theater
Das hellste Licht brennt in der Nacht, wenn Träume das All entfachen. Der Schlaf umarmt auch den kranken Lunis (Gianluca Mangione) sanft. Das Kind erleidet am Tag stoisch seine Übel und Unmöglichkeiten. Der Junge kann nicht mit anderen draußen spielen.
„Irgendwas mit Bakterien“, berichtet ein traurig gestimmter bis genervter Lunis dem Publikum. Doch irgendwas ist anders in diesem Jetzt. Um ihn herum: weiße Wolken und eine bernsteinfarbene Mondsichel, in der ein sonderbares gelbes Wesen mit riesigen Nadeln vergnügt vor sich hin strickt. Nicht nur das – auch ein Spielplatz mit Rutsche und Schaukel wartet wie selbstverständlich auf die freudvolle Nutzung. Jenes Fabelwesen (Ricarda Clahsen) fügt Masche um Masche die Wünsche des kleinen Mannes zu einem einzigartigen Kleid zusammen. „Hier oben, auf dem Weg zu den Sternen“, so die Fantasiegestalt, „ist alles möglich“. Lunis möchte auch so heiter-unbeschwert wie die geheimnisvolle Figur sein und erhält einen Schnellkurs in Clownerie, inklusive roter Nase.
Zeit, zu träumen
Mit der neuen Produktion „Lunis und das Mondwesen“ führt das Casamax Theater zielsicher den Weg maximaler Verspieltheit plus größtem Einfühlungsvermögen minus Übermaß fort, der es seit Dekaden auszeichnet. Mit ihrem Regie- und Spieldebüt in der Sülzer Stätte vermag das „zeit für Kollektiv“, seine Zuschauer*innen von den ersten Sekunden an zu verwundern, in Lachen zu versetzen oder nachdenklich zu stimmen.
Das junge Schauspiel-Duo Clahsen und Mangione harmoniert, als bestünde seine Partnerschaft bereits ein Leben lang. Die Körpersprache der Darsteller gelingt dabei so intensiv, dass die Inszenierung sogar ohne gesprochene Worte verständlich wäre. In den Sphären des Theater-Universums regieren Leichtigkeit und ein Bewusstsein für die Unendlichkeit aller Geschichten, die von Menschen, Tieren oder Pflanzen geschaffen werden.
Wiederum kreiert Hauskomponist Klaus Jacobs dazu einen atmosphärischen Soundtrack, der stellenweise an eine Mischung aus Mike Oldfields Klangwundern „Tubular Bells“ und „The Songs from Distant Earth“ erinnert. „Lunis und das Mondwesen“ offenbart sich in rund 50 Minuten als reiner Traum, aus dem sich neue Tage schöpfen lassen. Der Himmel kann ruhig warten.
„Lunis und das Mondwesen“ (empfohlen ab 4 Jahren), Casamax Theater, Berrenrather Straße 177, 50937 Köln
Konzept/Text: zeit für Kollektiv, Regie: Leonie Vrochte, Spiel: Ricarda Clahsen, Gianluca Mangione
Musik: Klaus Jacobs
Termine: 30.04. 10.30 Uhr, 02.05. 16 Uhr, 05.06. 10.30 Uhr, 06.06. 16 Uhr, 21.06. 15 Uhr, 22.06. 10.30 Uhr, 10.07. 10.30 Uhr
Karten-Telefon: 0221 44 76 61
www.casamax-theater.de
04.2026 // Redaktion: Thomas Dahl, Fotos: Patric Prager



