Wer fliegt da häufig über Sülz?
Die fliegenden Retter – Hubschrauber über Sülz

Ob früh am Morgen, tagsüber oder mitten in der Nacht: Das Knattern der Rotoren ist nicht zu überhören, wenn der Rettungshubschrauber Christoph 3 oder der Intensivtransporthubschrauber Christoph Rheinland über Sülz und Klettenberg fliegen. Sie landen häufig auf dem Hubschrauberlandeplatz des Herzzentrums der Uni-Klinik nahe der Josef-Stelzmann-Straße.

Der orangefarbene Hubschrauber Christoph 3 ist immer im Einsatz, wenn es zu einem schlimmen Verkehrsunfall oder einem anderen medizinischen Notfall kommt, bei dem schnelle Hilfe aus der Luft erforderlich ist. Betrieben wird er seit über 50 Jahren vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und gehört zur Luftrettungsstation der Kölner Feuerwehr, die auch seine Einsätze koordiniert.  Der Christoph 3 fliegt etwa fünf bis sieben Mal am Tag, das sind im Jahr etwa 1200 bis 1300 Einsätze.

Christoph Rheinland, der gelbe größere Intensiv-Transport-Hubschrauber (ITH) wird vom ADAC betrieben und ist primär für Verlegungen gedacht. Als fliegende Intensivstation kann er Patient*en ohne Unterbrechung der Behandlung zum Beispiel von einem Krankenhaus im Sauerland zur Uniklinik in Köln bringen, wenn eine Spezialbehandlung notwendig ist. Da die Universitätsklinik in Sülz ein Krankenhaus der Maximalversorgung mit vielen Spezialabteilungen ist, werden hierhin häufig Patient*innen mit lebensgefährlichen Erkrankungen und Verletzungen geflogen. Der Intensiv-Transport-Hubschrauber Christoph Rheinland ist ein schonendes und schnelles Rettungsmittel, das etwa zwei bis fünf Einsätze pro Tag und 900 bis 1000 Einsätze im Jahr fliegt.

Dr. Christian Paul, 54, Leitender Notarzt, Ärztliche Leitung ITH Christoph Rheinland und Facharzt Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin ist hauptberuflich angestellt bei der Berufsfeuerwehr Köln. Er fliegt als Notarzt mit dem Intensiv-Transport-Hubschrauber Christoph Rheinland und ist außerdem für die Personalakquise, -fortbildung und die Einsatzpläne des ITH-Teams zuständig. Er erläutert im Gespräch in der zentralen Feuerwehrleitstelle der Stadt Köln in Weidenpesch die Funktion und Bedeutung der beiden Hubschrauber und seine persönliche Motivation, diesen Job zu machen.

 Bei welchen Ereignissen kommt der Christoph 3 zum Einsatz und wann der der Christoph Rheinland?

Dr. Christian Paul: Beide Hubschrauber sind am Flughafen in Köln-Wahn stationiert und werden von der Leitstelle hier in Weidenpesch koordiniert. Der Christoph 3 wird bei Notfällen jeglicher Art eingesetzt, nicht nur bei ganz schlimmen Fällen, wie vielfach angenommen. Es wird auch dann geflogen, wenn kein Notarzteinsatzfahrzeug am Boden verfügbar ist. Typisch für den Christoph 3 sind schwere Verkehrsunfälle, Schlaganfälle, Herzinfarkte und Kindernotfälle. Genauso kann es aber auch ein Einsatz für eine Patientin im Altenheim sein, die lebensbedrohliche Atemnot hat, wenn der Rettungshubschrauber die schnellste überlebenswichtige Hilfe bedeutet.

Der Christoph Rheinland ist vor allem für Verlegungen von schwerstkranken Patient*innen gedacht, die etwa eine Spezialbehandlung benötigen, die in dem Krankenhaus, in das sie eingeliefert wurden nicht möglich ist. Das sind zum Beispiel Patient*innen, die an eine Herz-Lungenmaschine angeschlossen oder aufgrund von Hirnblutungen oder Herzproblemen dringend operiert werden müssen. Außerdem fliegen wir mit dem ITH Inkubatoren mit Neugeborenen und andere kritisch kranke und intensivbehandlungspflichtige Patient*innen, die verlegt werden müssen.

Aber der ITH ist ein sogenannter Dual-Use-Hubschrauber: Wenn der Christoph 3 nicht verfügbar ist, fliegen wir auch mit dem ITH zu Notfällen. Dafür wird dann auch schonmal eine zeitunkritische Verlegung verschoben, denn Notfälle gehen immer vor. Das kommt zum Beispiel in den Sommermonaten vor, wenn mehr Unfälle auf den Straßen passieren, etwa mit Motorrädern.

Wer entscheidet, ob einer der beiden Hubschrauber zum Einsatz kommt?

Dr. Christian Paul: Die Kolleg*innen in der Leitstelle. Aufgrund der eingehenden Notrufe sammeln sie Informationen und entscheiden aufgrund zahlreicher Parameter, ob ein Hubschrauber sinnvoll und notwendig oder ein Rettungswagen (RTW) bzw. ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) geeigneter ist. Für die Hubschrauber benötigt man immer geeignete Landeplätze. Es kann sein, dass ein RTW bzw. NEF schneller am Ziel ist, je nachdem, wo in der Uniklinik zum Beispiel Patient*innen hingebracht werden müssen. Andererseits müssen sich Hubschrauber nicht über volle Straßen quälen und können quer über die Stadt fliegen.

Wie groß ist der Radius beider Hubschrauber?

Dr. Christian Paul: Der Radius des Einsatzbereichs von Christoph 3 beläuft sich auf ca. 50-70 km um die sogenannte Homebase herum. Christoph Rheinland ist zuständig für Intensivverlegungen im südlichen Rheinland. Diese führen, wenn notwendig, auch schon einmal bis nach Berlin zur Charité, um nur ein Beispiel zu nennen.

Wie setzt sich das Team zusammen, das mit den Rettungshubschraubern unterwegs ist?

Dr. Christian Paul: Beim Christoph 3 sind es ein*e  Pilot*in der Bundespolizei-Fliegerstaffel West, ein*e Notarzt/Notärztin der Klinik für Unfallchirurgie am Klinikum Köln-Merheim und ein*e Notfallsanitäter*in vom Arbeiter-Samariter-Bund Köln, dem Malteser Hilfsdienst, oder der Berufsfeuerwehr Köln.

Im größeren Christoph Rheinland fliegt ein* Pilot*in der ADAC-Luftrettung. Daneben sitzt im Cockpit ein*e Notfallsanitäter*in von der Feuerwehr Köln, der Johanniter-Unfall-Hilfe oder dem Deutschen Roten Kreuz. Sie sind auf beiden Hubschraubern unsere „Alleskönner*innen“: sie assistieren den Piloten während des Fluges und unterstützen die Notärzt*innen bei der Versorgung der Patient*innen. Dazu kommt ein*e erfahren*e Notarzt/Notärztin von der Kölner Feuerwehr, die über eine Facharztqualifikation und besondere Erfahrungen in der Anästhesie, Notfall- und Intensivmedizin verfügt.

Können Sie uns ein Beispiel für einen konkreten Einsatz schildern?

Dr. Christian Paul: Beim Intensivtransporthubschrauber sind die Einsätze in der Regel gut geplant, da es sich um hochkomplexe Verlegungen handelt. Wir treffen uns bei Dienstbeginn am Flughafen, checken zuerst die Maschine sowohl technisch als auch was die medizinische Ausstattung anbetrifft. Außerdem schauen wir auf das Wetter und schätzen ein, ob eine Verlegung möglich ist oder nicht.

Auch andere Parameter spielen eine Rolle: So kann es zum Beispiel sein, dass ein Patient mit einer Infektion nicht geflogen werden kann, weil wir den Hubschrauber hinterher nicht entsprechend desinfizieren können. Oder es gibt keinen geeigneten Landeplatz. Das wird alles von der mit dem Team in dem Krankenhaus besprochen, wo wir die Patient*innen abholen. Dort ist bei unserer Ankunft schon alles vorbereitet. Wir nehmen die Patient*innen in Empfang und begleiten sie intensivmedizinisch während des ganzen Fluges. An der Uniklinik Köln angekommen, landen wir auf dem Hubschrauberlandeplatz des Herzzentrums, abgesichert durch die Feuerwehr. Dann bringen wir die Patient*innen zur entsprechenden Station oder in die zentrale Notaufnahme. Dort sind schon Vorbereitungen getroffen worden, die zwischen den beiden Krankenhäusern vorab besprochen wurden.

Wir sprechen noch kurz mit dem aufnehmenden Team, ob während des Fluges noch etwas geschehen ist oder wir etwas bemerkt haben und dann können wir uns wieder auf den Weg machen und fliegen zurück zum Flughafen, bereit für den nächsten Einsatz.

Wie lange sind Sie schon bei Einsätzen dabei?

Dr. Christian Paul: Ich bin seit 2011 auf dem Hubschrauber dabei. Die Flugrettung war immer mein Fernziel. Seit meiner Ausbildung als Narkosearzt im Heilig-Geist-Krankenhaus habe ich darauf hingearbeitet.

Was reizt Sie dann daran so besonders?

Dr. Christian Paul: Seit meiner Kindheit reizt mich das Fliegen. In Verbindung mit der medizinischen Tätigkeit ist das für mich die Krönung der Notfallmedizin. Es ist spannend und anspruchsvoll. Man muss spontan und flexibel sein und schnelle Entscheidungen treffen und dabei immer überlegen, was kann ich noch für die Patient*innen tun?

Gab es einen Einsatz, der Ihnen besonders im Gedächtnis haften geblieben ist?

Dr. Christian Paul: Besonders haften bleiben Einsätze der Notfallrettung. Sie sind emotional besonders, weil da immer viel Zeitdruck und Adrenalin dabei ist. Bei mir ist das zum Beispiel der Einsatz, als Ali Kurt am Rhein ein Mädchen vor dem Ertrinken retten konnte, selbst aber ertrank. Ich war für die Versorgung des Mädchens zuständig. In dem Moment konzentriert man sich komplett auf die Patientin und bekommt von den anderen Umständen gar nicht viel mit. Ein Kindernotfall ist immer hart, wenn man selbst Kinder hat. Alle Notfälle, die parallel zu eigenen Lebenswelt stehen sind schwer – da ist es wichtig, sich abzugrenzen, damit man das aushalten kann.

Wie lange wollen Sie den Job noch machen?

Dr. Christian Paul: So lange ich kann und gesundheitlich dazu in der Lage bin. Es gibt für mich keinen besseren Job.

Dr. Paul, vielen Dank für diese interessanten Einblicke.

06.2026 // Redaktion: Dorothee Mennicken, Fotos: Monika Nonnenmacher

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