„Was wir erreicht haben, sieht man an vielen Ecken“ –
Chris­tine Kramer über Enga­ge­ment, Rosen, Rad­wege und warum ihr Viertel nicht zur Sperr­müll­zone werden darf

Wer in Sülz und Klet­ten­berg lebt, kommt an ihr kaum vorbei – oder ver­dankt ihr im besten Fall einen begrünten Vor­garten, eine sanierte Straße oder eine funk­tio­nie­rende Laterne. Chris­tine Kramer ist nicht nur lang­jäh­rige Bewoh­nerin des Vier­tels, son­dern war auch die trei­bende Kraft hinter der Bür­ger­initia­tive „Wir in Sülz und Klet­ten­berg“. Im Gespräch mit INsülz blickt sie auf mehr als zehn Jahre ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment zurück – und spricht ganz offen über Erfolge, Frust­mo­mente und gesell­schaft­liche Her­aus­for­de­rungen.

Frau Kramer, Sie haben mit Ihrer Initia­tive „Wir in Sülz und Klet­ten­berg“ einiges in Bewe­gung gesetzt. Wie hat das alles ange­fangen?

Chris­tine Kramer: Das war tat­säch­lich ganz unspek­ta­kulär. Ich befand mich im Urlaub am Bodensee, da lag so ein Heft­chen im Brief­kasten mit einem For­mular, auf dem man Miss­stände melden konnte – von defekten Laternen bis zu unge­pflegten Straßen. Ich fand das genial. Zurück in Köln habe ich das Kon­zept mit Theo Stof­fele und anderen adap­tiert, kopiert, ver­teilt – und los ging’s.

Was waren die ersten Themen?

Chris­tine Kramer: Ganz klas­sisch: defekte Beleuch­tung, feh­lende Fahr­rad­wege sowie feh­lende Fahr­rad­ab­stell­plätze, zuge­parkte Bür­ger­steige. Es waren diese kleinen, aber sicht­baren Dinge, bei denen wir schnell gemerkt haben: Wenn man sich küm­mert, pas­siert was.

Und Sie wurden gehört?

Chris­tine Kramer: Ja, erstaun­lich oft sogar. Wir haben Unter­schriften gesam­melt, zum Bei­spiel für den Fahr­rad­schutz­streifen auf dem Got­tesweg. Die Listen lagen bei Oden­kir­chens, beim Fri­seur Schwal­bach und anderen Geschäften aus. Und die Rhön­dorfer Straße – sie hatte jede Menge Schlag­lö­cher – auch da wurde nach unserer Initia­tive geteert. Das war kein Zufall.

Der Rosen­garten gilt als ein Her­zens­pro­jekt von Ihnen. Was ist da pas­siert?

Chris­tine Kramer: Dieser sollte von der Stadt ein­fach „platt­ge­macht“ werden. Rasen statt Rosen. Da haben wir sofort pro­tes­tiert. Ich habe mit dem Grün­flä­chenamt (damals Herr Dr. Bauer) ver­han­delt, Presse akti­viert, Helfer*innen gesucht – und wir haben ihn gerettet. Später bekamen wir dafür sogar den Ehren­amts­preis der Stadt Köln. Der Garten steht heute noch, auch wenn die Truppe kleiner geworden ist. Es wäre wirk­lich wün­schens­wert, wenn sich einige Bürger und Bür­ge­rinnen an der Pflege des wun­der­schönen Gar­tens betei­ligen würden.

Neben all dem poli­ti­schen und prak­ti­schen Enga­ge­ment haben Sie auch eine sehr char­mante Idee ins Leben gerufen – das Senio­ren­kino.

Chris­tine Kramer: Ja, das liegt mir sehr am Herzen. Das monat­liche Senio­ren­kino im Weiß­haus­kino war meine Idee – und wurde dann gemeinsam mit dem Kino­team umge­setzt. Es ist mitt­ler­weile ein fester Termin für viele ältere Men­schen im Viertel. Die Stim­mung ist toll, man trifft sich, schaut einen guten Film – und manchmal gibt’s danach noch einen kleinen Aus­tausch. Das Weiß­haus­kino macht das richtig gut. Betreiber und Leiter hören zu, nehmen Anre­gungen auf und sind sehr offen für das, was die Besucher*innen sich wün­schen. Das ist eine rich­tige Erfolgs­ge­schichte geworden.

Gibt es auch Themen, die Sie beschäf­tigen, bei denen Sie aber nicht direkt aktiv werden konnten?

Chris­tine Kramer: Ja, das Thema Obdach­lo­sig­keit. Es wird spürbar mehr – auch in unseren Straßen. Gerade an Hal­te­stellen wie der Sülz­burg­straße sieht man oft Gruppen, die dort nach ihrem Dro­gen­pro­gramm trinken, grölen und die Hal­te­stelle regel­recht stun­den­lang bela­gern. Das ist für ältere Men­schen oder Schul­kinder manchmal unan­ge­nehm. Ich sehe das auch als gesell­schaft­liche Her­aus­for­de­rung. Klar, manche wollen keine Hilfe annehmen, manche kämpfen mit Sucht oder psy­chi­scher Krank­heit – aber wir dürfen nicht weg­schauen. Gleich­zeitig darf das Viertel auch nicht ver­wahr­losen. Da braucht es Lösungen, die beides berück­sich­tigen: Hilfe für die Men­schen und klare Regeln im öffent­li­chen Raum.

Was war beson­ders schwierig in Ihrer Arbeit?

Chris­tine Kramer: Dass sich Leute beschweren, aber selbst nichts tun. Oder dass manche Enga­ge­ment als Bevor­mun­dung emp­finden. Dabei ging’s uns immer ums Gemein­wohl. Und um Ord­nung. Ich will kein Viertel, das zur Sperr­müll­zone ver­kommt. Diese „Ver­schen­ke­kisten“ überall – das ist doch kein nach­hal­tiges Ver­halten, das ist Bequem­lich­keit.

Gibt es Dinge, die Sie nicht durch­setzen konnten?

Chris­tine Kramer: Leider ja. Zum Bei­spiel das ros­tige Geländer an der alten Eisen­bahn­trasse (Schwarze Bahn an der Rhön­dorfer Straße, Anm. d. Red.) – das steht immer noch. Und dass der Bür­ger­verein heute nicht mehr aktiv ist, finde ich schade. Eigent­lich bräuchten wir heute wieder so eine Initia­tive wie früher. Es gibt viele neue Her­aus­for­de­rungen.

Haben Sie Hoff­nung, dass neue Men­schen sich enga­gieren?

Chris­tine Kramer: Ich hoffe es. Aber es reicht nicht, nur auf die Stadt zu schimpfen. Man muss schon auf­stehen und selbst etwas tun. Und das geht auch im Kleinen. Wer einmal den Rosen­garten gepflegt hat oder im Kino eine Idee ver­wirk­licht sieht, weiß, wie viel Freude gemein­sames Enga­ge­ment machen kann. Ich wün­sche mir, dass die Bürger und Bür­ge­rinnen sorgsam mit unseren schönen Vier­teln umgehen.

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Tipps für die ordent­liche Müll­ent­sor­gung im Veedel
Zu ver­schenken? Bitte nicht auf den Gehweg! Wer Dinge los­werden möchte, kann auf viele legale und sinn­volle Wege zurück­greifen – und so mit­helfen, unser Viertel sauber zu halten. Hier die wich­tigsten Anlauf­stellen:

Wert­stoff-Center der AWB
Große Mengen Sperr­müll, Elek­tro­ge­räte oder Alt­kleider können kos­tenlos abge­geben werden – z. B. in Ossen­dorf (Butz­wei­ler­straße 50) oder Grem­berg­hoven (August-Horch-Straße 3).
Öff­nungs­zeiten: Montag bis Freitag 8–20 Uhr, Samstag 8–16 Uhr.

Sperr­müll & Grün­schnitt
Ein­fach einen Termin mit der AWB ver­ein­baren. Bis zu drei Kubik­meter Sperr­müll oder Grün­schnitt (z. B. Äste, Laub, Stauden) werden kos­ten­frei abge­holt – ebenso Elek­tro­ge­räte in haus­halts­üb­li­chen Mengen.

Bücher
Bücher­kisten gehören nicht auf den Bür­ger­steig. Besser: öffent­liche Bücher­schränke (www.buergerstiftung-koeln.de), Spenden an Dia­konie, Caritas, Oxfam oder Emmaus, oder ver­kaufen über www.buecherboerse.org bzw. auf dem Floh­markt.

Alt­kleider
Die Stadt Köln betreibt rund 400 eigene Sam­mel­con­tainer – meist an Alt­glas­plätzen. Zusätz­lich nehmen viele gemein­nüt­zige Orga­ni­sa­tionen gut erhal­tene Klei­dung ent­gegen.

Online-Tausch­börse der AWB
Wer funk­ti­ons­tüch­tige Dinge ver­schenken oder tau­schen möchte, findet unter www.awbkoeln.de/tauschboerse eine kos­ten­lose Platt­form.

Weih­nachts­baum-Abho­lung
Ab dem 2. Januar sam­melt die AWB abge­schmückte Bäume (max. 2 Meter) kos­tenlos ein – am Tag der Rest­müll- oder Bio­ton­nen­ab­fuhr.

Hun­de­kot­beutel
An rund 1000 Stellen im Stadt­ge­biet gibt es kos­ten­lose Beu­tel­spender. Bitte nutzen – für ein sau­beres Mit­ein­ander.

Noch Fragen?
Das AWB-Müll-ABC hilft bei der Ent­sor­gung aller Abfall­arten: www.awbkoeln.de/muellabc



01.2026 // Redak­tion und Foto: Ralf Mar­tens

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