„Wer das Stadt­grün antasten will, bekommt Ärger mit mir“ – Lin­den­thals neuer Bezirks­bür­ger­meister Roland Schüler spricht Klar­text

In der kon­sti­tu­ie­renden Sit­zung der Bezirks­ver­tre­tung Lin­den­thal wurde der par­tei­lose ehe­ma­lige Geschäfts­führer des Frie­dens­bil­dungs­werks Köln am 3. November 2025 für die kom­menden fünf Jahre zum Bezirks­bür­ger­meister gewählt. INsülz & klet­ten­berg traf sich mit dem Ehren­amtler an seinem Arbeits­platz im Bezirks­rat­haus.

Welche poli­ti­schen Ent­schei­dungen stehen in deiner Agenda als neuer Bezirks­bür­ger­meister von Lin­den­thal auf den vor­deren Plätzen?

Roland Schüler: Ganz weit oben steht natür­lich der Erhalt des Äußeren Grün­gür­tels in seiner Gesamt­heit. Im Detail geht es hier um die Frage der Erwei­te­rung des FC-Trai­nings­ge­ländes. Aus dem „Freundes- und För­der­kreis Land­schafts­park Bel­ve­dere“ kam der Vor­schlag, alter­na­tive Sport­plätze für den 1. FC Köln im Mars­dorfer „Land­schafts­park Beller Bogen“ in Angriff zu nehmen. Es gibt dort genü­gend Flä­chen, die man nicht für Gewerbe son­dern als Land­schafts­park nutzen kann. Inner­halb dieses Parks lassen sich bis zu sieben Sport­plätze anlegen, die auch der FC nutzen könnte. Es geht uns dabei ja auch um Maß­nahmen zum Kli­ma­schutz. Als Bezirks­ver­tre­tung haben wir das bereits beschlossen. Das zweite heiße Eisen ist die Wei­ter­ar­beit an der Ver­kehrs­wende, auch mit den Gemeinden Hürth, Pul­heim und Fre­chen, um her­aus­zu­finden, wie die Men­schen auf anderen Wegen in die Stadt kommen, zum Bei­spiel ver­bes­serte Fahrrad- und Bus­ver­bin­dungen. Dazu gab es schon Gespräche mit dem Bür­ger­meister von Hürth. Drit­tens müssen wir die Kli­ma­aus­rich­tung der Stadt opti­mieren. Gegen die Hitze braucht es mehr Bäume und Flä­chen-Ent­sie­ge­lungen in den Vier­teln. Damit sollen auch die Bürger*innen ange­regt werden, Ver­ant­wor­tung für den Stadt­raum zu über­nehmen.

Was möch­test du im Gegen­satz zu deinen Vor­gän­ge­rinnen im Amt, Cor­nelia Wei­te­kamp (Grüne) und Helga Blömer-Frerker (CDU) ver­än­deren? 

Roland Schüler: Ich will das, was ich zehn Jahre als stell­ver­tre­tender Bezirks­bür­ger­meister mit Helga Blömer-Frerker gemacht habe, fort­setzen, das heißt für die Men­schen im Stadt­be­zirk da sein und neue poli­ti­sche Pro­jekte anstoßen.

„Wenn unsere Beschlüsse nicht in die Pla­nungen der Kom­mune passen, macht die Ver­wal­tung nichts.“

Bist du ein gedul­diger Mensch?

Roland Schüler: Gegen­über den Bürger*innen ja, aber gegen­über der Ver­wal­tung nicht immer. Wenn ich mit­be­komme, dass man mir irgendwas erzählt, das nicht mit meiner mathe­ma­ti­schen Logik über­ein­stimmt, kann ich ener­gisch werden. Ich möchte, dass das, was im Par­la­ment beschlossen wird auch umge­setzt wird!

Wie siehst du gene­rell den Status der Kölner Bezirks­par­la­mente in Bezug auf die Durch­set­zung poli­ti­scher Beschlüsse?

Roland Schüler: Die Men­schen in der Stadt haben eine hohe Mei­nung von uns. In der Ver­wal­tung ist das jedoch noch nicht so ange­kommen. Der Rat ist für sie wich­tiger. Wenn unsere Beschlüsse nicht in die Pla­nungen der Kom­mune passen, macht die Ver­wal­tung nichts. Zum Bei­spiel gibt es seit 2020 den Beschluss, alle Hal­te­stellen der KVB-Linie 13 eben­erdig für die Fahr­gäste zu gestalten. Das ist ein Gesetz der Bar­rie­re­frei­heit und gehört zur UN-Behin­der­ten­kon­ven­tion. Was hören wir? Kein Per­sonal. Noch länger gibt es den Beschluss zum Umbau der Ber­ren­ra­ther Straße. Dazu gab es bereits 2014 eine umfang­reiche Bür­ger­be­tei­li­gung. Es standen Gelder bereit, jetzt ist nichts mehr da.

Andreas Hupke, lang­jäh­riger Bezirks­bür­ger­meister der Innen­stadt, hatte damit gedroht, zur Durch­set­zung der par­la­men­ta­ri­schen Rechte bis vor die höchsten gericht­li­chen Instanzen zu gehen. Bist du auch so kampf­be­reit?

Roland Schüler: Wenn es um die  Frage der Zustän­dig­keiten geht, ja. Bei der beab­sich­tigten dau­er­haften Sper­rung der Kitsch­bur­ger­straße für den moto­ri­sierten Indi­vi­du­al­ver­kehr in Mün­gers­dorf ist unser Beschluss vom Ver­wal­tungs­ge­richt Köln bei­spiels­weise abge­lehnt worden, weil dafür der Rat zuständig sei. Dem­nach ist die Straße ver­kehrs­tech­nisch von über­ört­li­cher Bedeu­tung. Wenn wir zuständig sind, haben wir Kla­ge­be­fugnis. Wer dagegen vor­gehen könnte, sind Ver­bände, Anwohner*innen oder Ver­eine. Aber auch da ist es frag­lich, ob die For­de­rungen ange­nommen werden. Man muss es darauf ankommen lassen. Im Rahmen der Anwoh­ner­klagen auf der Luxem­burger Straße konnte so aller­dings die Geschwin­dig­keits­re­du­zie­rung auf 30 km/h durch­ge­setzt werden.

„Die Brand­mauer gegen die AfD stand, steht und wird auch in Zukunft gut stehen.“

Warum hast du eigent­lich nie für den Rat der Stadt Köln kan­di­diert? 

Roland Schüler: Weil ich als Bezirks­ver­treter oder jetzt als Bezirks­bür­ger­meister poli­tisch viel mehr für die Stadt­teile errei­chen kann. 

Gibt es Themen, bei denen du als Bezirks­bür­ger­meister nicht kom­pro­miss­be­reit bist?

Roland Schüler: Eigent­lich lebt die Demo­kratie von der Kom­pro­miss­be­reit­schaft. Aber wer das Stadt­grün antasten will, bekommt Ärger mit mir.

Die AfD ist mit einer Ein­zel­man­dats­ver­tre­terin in der Bezirks­ver­tre­tung prä­sent. Die FDP wurde eben­falls mit ledig­lich einem Ver­treter ins Bezirks­rat­haus gewählt, koalierte aber aus tak­ti­schen Gründen mit Volt zu einer Frak­tion. Wie sicher ist die Brand­mauer gegen die AfD im Bezirk Lin­den­thal?

Roland Schüler: Die Brand­mauer stand, steht und wird auch in Zukunft gut stehen. Wir sind hier sehr gut auf­ge­stellt. Nie­mand muss in unserem Bezirk die AfD wählen, auch wenn es soziale Pro­blem­räume wie in Weiden-Süd und im unteren Mün­gers­dorf gibt. Wenn die Leute das Gefühl haben, sie werden abge­hangen, wird es gefähr­lich. Da müssen wir prä­sent sein.

Was ist das deiner Mei­nung nach das größte Kli­schee in Bezug auf Politiker*innen?

Roland Schüler: Dass Poli­tiker nur etwas für sich selbst machen. Aber des­halb ist es mir wichtig, zu betonen, dass wir hier alle ehren­amt­lich arbeiten. Es gibt eine kleine Auf­wands­ent­schä­di­gung.

Im Bezirk Lin­den­thal leben über 150.000 Bürger*innen. Das erfüllt bei weitem die Kri­te­rien für eine deut­sche Groß­stadt. Die poli­ti­schen Ent­schei­dungen werden also von Ehrenamtler*innen getragen. Der Arbeits­auf­wand, bei­spiels­weise regel­mä­ßige Reprä­sen­ta­ti­ons­pflichten oder die Vor­be­rei­tung und Nach­be­ar­bei­tung von Par­la­ments­sit­zungen sind beträcht­lich. Auch interne Par­tei­kon­flikte bleiben ver­mut­lich nicht aus und müssen gelöst werden. Wie zeit­gemäß ist dieses ehren­amt­liche Modell noch?

Roland Schüler: Dazu kommen noch die E‑Mails. Wenn nur ein Pro­zent der Men­schen im Bezirk täg­lich eine Nach­richt schreibt, ist das ein erheb­li­cher Zeit­auf­wand. Das ist ehren­amt­lich nicht zu schaffen. Die Arbeit ist eigent­lich ein Voll­zeitjob. Es braucht ein ange­mes­se­neres Modell.

Warum tust du dir das den­noch an?

Meine Moti­va­tion war immer eine Ver­än­de­rung zum Besten. Diese Ver­än­de­rungen kann ich auch durch die Politik errei­chen.

 

Zur Person
Roland Schüler wurde in Köln geboren. Er ist par­teilos und gehört dem Bezirks­par­la­ment Lin­den­thal seit 1989 als Ver­treter von Bündnis 90/Die Grünen an. Der ehe­ma­lige Geschäfts­führer des Frie­dens­bil­dungs­werks Köln befindet sich seit 2024 im beruf­li­chen Ruhe­stand. Schüler enga­giert sich neben seinen Tätig­keiten als Lokal­po­li­tiker ehren­amt­lich im Fortis Colonia e.V. sowie als Mit­glied des Freundes- und För­der­kreis zur Voll­endung des Äußeren Grün­gür­tels im Land­schafts­park Bel­ve­dere und in der Inter­es­sen­ge­mein­schaft Lebens­werte Lux.

01.2026 // Inter­view: Thomas Dahl, Fotos: Sonja Hoff­mann

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