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Zwischen Feierlaune und Frust: Wie das Veedel über „Bunt im Carrée“ diskutiert
Das Straßenfest „Bunt im Carrée“ Anfang Mai hat viele Menschen begeistert: volle Straßen, Musik, Begegnungen und eine lebendige Atmosphäre mitten im Veedel. Doch mit etwas Abstand wird auch intensiv darüber gesprochen, wo die Grenzen eines solchen Formats liegen – und wie Veranstaltungen dieser Größe künftig organisiert werden können.
Bei einer öffentlichen Nachbesprechung am 12. Mai im Stukmans kamen nach Angaben von Teilnehmerinnen rund 50 Personen zusammen. Neben zahlreichen Anwohnerinnen waren Vertreter der Interessengemeinschaft Sülz-Klettenberg (ISK), Gastronom*innen, Bezirkspolitiker sowie die Veranstalter anwesend. Schnell wurde deutlich: Der Gesprächsbedarf war groß.
Die Veranstalter räumten zu Beginn organisatorische Schwächen ein. Genannt wurden unter anderem zu wenige Toilettenanlagen, eine unzureichende Anzahl von Müllbehältern sowie eine Fehleinschätzung der Besucherzahlen. Nach Angaben der Veranstalter habe man ursprünglich mit etwa 10.000 Besucher*innen gerechnet, tatsächlich seien deutlich mehr Menschen ins Veedel gekommen.
Im Verlauf der Diskussion schilderten viele Anwohner*innen ihre Eindrücke vom Veranstaltungswochenende. Besonders häufig ging es um Müll, Wildpinkeln, überfüllte Straßen und die Belastung durch Lautstärke bis in die Abendstunden. Auch die Situation rund um Hauseingänge, Seitenstraßen und Plätze wie den Manderscheider Platz wurde mehrfach angesprochen.
Darüber hinaus wurden Fragen zur Infrastruktur und Sicherheit diskutiert. Einige Teilnehmer*innen kritisierten fehlende Verkehrslenkungen in angrenzenden Straßen sowie unzureichende Informationen zu Sperrungen und Fluchtwegen. Auch die Frage, ob Sicherheits- und Ordnungskonzepte ausreichend dimensioniert gewesen seien, spielte in mehreren Wortmeldungen eine Rolle.
Dabei zeigte sich, wie unterschiedlich das Fest wahrgenommen wurde. Während manche vor allem die offene Atmosphäre und die kulturelle Vielfalt hervorhoben, äußerten andere deutliche Sorgen über die Auswirkungen auf das direkte Wohnumfeld. Mehrere Gastronom*innen und Geschäftsleute berichteten zudem von zusätzlichem Reinigungsaufwand am Tag nach der Veranstaltung.
Die Nachbesprechung selbst verlief zeitweise emotional. Erst im Laufe des Abends wurde eine Redeliste eingeführt, um den zahlreichen Wortmeldungen mehr Struktur zu geben. Gleichzeitig wurde deutlich, dass viele Beteiligte grundsätzlich weiterhin ein lebendiges und kulturell aktives Veedel begrüßen. Die zentrale Frage scheint derzeit vielmehr zu sein, wie solche Veranstaltungen organisiert werden müssen, damit Begegnung, Feierkultur und Rücksichtnahme besser miteinander vereinbar bleiben.
Auch die Rolle öffentlicher Unterstützung wurde diskutiert. Einige Teilnehmer*innen vertraten die Auffassung, ein überwiegend privat organisiertes und wirtschaftlich orientiertes Fest solle nicht mit öffentlichen Geldern unterstützt werden. Andere verwiesen auf die Bedeutung solcher Veranstaltungen für Gastronomie, Einzelhandel und das soziale Leben im Viertel.
Wie es mit „Bunt im Carrée“ weitergeht, ist derzeit offen. Die Veranstalter signalisierten zwar grundsätzlich Interesse an einer Fortsetzung, zugleich dürfte die Diskussion der vergangenen Wochen gezeigt haben, dass viele Menschen im Veedel künftig frühzeitiger eingebunden werden möchten.
So bleibt nach dem Festivalwochenende nicht nur die Erinnerung an Musik und volle Straßen, sondern auch eine Debatte darüber, wie urbanes Veedelsleben in Zukunft gestaltet werden kann – lebendig, offen und gleichzeitig gut organisiert für alle, die hier wohnen, arbeiten und feiern.
Über nachstehenden Link ist es weiterhin möglich, sein Feedback zum „Bunt im Carrée 2026“ abzugeben:
Feedback „Bunt im Carrée 2026“
05.2026 // Redaktion: Christine Kramer, Ralf Martens; Foto: Christina Kuhn



